Wenn Zahlen ein Gesicht bekommen - Ausstellungseröffnung "Neugierig sein - Schätze bergen"

Pastorin Christa Nagel (2. von links) präsentierte die Ausstellung gemeinsam mit Annegret Thom, Adriana Jainz, Manon Veit und Nico Stündl (v.l.)

Hinter jedem Umfrageergebnis, jedem Torten- und Balkendiagramm verbergen sich Gesichter. Und deshalb wollte Pastorin Christa Nagel nach ihrer Umfrage bei den Kirchenvorständen im Kirchenkreis Bremerhaven auch nicht nur die Ergebnisse präsentieren, sondern auch jene Menschen, die Antworten gegeben und die Statistik mit Leben gefüllt haben. In Zusammenarbeit mit der Diplom-Designerin Silke Brinkmann ist dabei die Ausstellung „Neugierig sein. Schätze bergen“ herausgekommen. Am Freitag, 29. April, wurde sie in der Pauluskirche Bremerhaven eröffnet, nach Pfingsten wandern die Roll-ups und großflächigen Umfrageergebnisse durch weitere Gemeinden, bevor sie am 27. August zum Ehrenamtstag in Hannover über das Kirchenvorstandsprojekt informieren werden.

„Die Ausstellung will den Fokus auf das lenken, was Ehrenamtliche leisten“, erklärte Christa Nagel auf der Eröffnungsfeier, zu der neben vielen Ehrenamtlichen auch Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy, Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder und die Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert gekommen waren. „Die Kirche ist eine große gestalterische Kraft in unserer Gesellschaft“, betonte die Pastorin. Für sie sei es „ein wahnsinniges Geschenk gewesen zu sehen, was die Ehrenamtliches alles leisten.“ Was ist die persönliche Motivation zum Ehrenamt? Wo und mit welchem Zeitaufwand engagieren sich die Befragten? Rund 30 Fragen beantworteten die Ehrenamtlichen für die Ausstellung, Statistiken und persönliche Statements vermitteln nun ein spannendes Gesamtbild und zeigen den großen Einsatz der Ehrenamtlichen – etwa anhand der Tatsache, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten zusätzlich außerhalb der Kirche ehrenamtlich engagiert. Einige der Ergebnisse habe er nicht erwartet, räumte Landessuperintendent Brandy ein. Etwa, dass 20 Prozent der Befragten angeben, mehr als drei Stunden Zeit pro Woche in ihr Ehrenamt zu investieren. Und auch die Antwort von 60 Prozent, sie fühlten sich gut auf ihr Amt vorbereitet, habe ihn überrascht. „Das hatte ich schlechter erwartet – immerhin wissen wir alle, dass viele Ehrenamtliche sehr mutig ins kalte Wasser springen.“ Doch 60 Prozent positive Antworten bedeuteten auch 40 Prozent, die sich nicht ausreichend vorbereitet fühlten. Hier sei hier noch Verbesserungsbedarf, denn schließlich sei das Kirchenvorstandsamt eine komplexe, anspruchsvolle Leitungstätigkeit.

Vor dem Treffen mit Christa Nagel habe sie noch gesagt, so viel sei es ja gar nicht, was sie tue, erzählt Manon Veit. „Aber im Gespräch hat sich herausgestellt, dass es doch eine ganze Menge ist.“ Die 48-jährige Steuerfachwirtin ist eine der Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher, die der Ausstellung ein Gesicht geben.  Ebenso wie Adriana Jainz. Sie stehe eigentlich nicht gern im Mittelpunkt und habe gezögert, sich fotografieren zu lassen, sagt die 45-Jährige. „Aber ich fand die Sache so wichtig, dass ich da über meinen Schatten gesprungen bin.“ Mit ganz unterschiedlichen Berufen, Erfahrungen, Kompetenzen bereichern die Ehrenamtlichen den Kirchenvorstand , das wird anhand der Beispiele deutlich: Der Bauingenieur, der sich für die Kirchenmusik und die Jugendarbeit stark macht, die Rentnerin, die seit zehn Jahren als Kirchenvorsteherin aktiv ist, die Entwicklerin für Digitale Medien, die sich 2012 erstmals als Kirchenvorsteherin zur Wahl gestellt hat – sie alle prägen die Arbeit in der Kirche mit. „Wir können etwas bewegen, sind Multiplikatoren“, sagt Manon Veit. Der Umgang im Kirchenvorstand sei anders als häufig in anderen Gremien, ist ihre Erfahrung. „Wir versuchen eigentlich immer, einen Konsens zu finden, den alle mittragen können, viele Entscheidungen werden einstimmig getroffen“, beschreibt sie ihren Eindruck, den auch Adriana Jainz bestätigt. „Es ist ein Miteinander, kein Durchsetzen von Einzelnen.“

Am April 2015 hatte Christa Nagel begonnen, die Kirchenvorstände der einzelnen Gemeinden zu besuchen, für ihre Umfrage zu werben und intensive Gespräche mit den Mitgliedern zu führen. Drei Viertel der Vorsteherinnen und -vorsteher füllten die Fragebögen aus. „Ein extrem hoher Rücklauf“, betont Landessuperintendent Brandy. Bei der Entwicklung und Auswertung der Fragebögen war Nagel vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD und dem Haus kirchlicher Dienste in Hannover beraten worden, die Qualitätsmanagerin Helga Schobloch hatte bei der Strukturierung der Antworten, dem Erstellen von Diagrammen und der Erarbeitung von Thesen geholfen. Die jetzige Auswertung sei nur ein kleiner Auszug, relativiert Christa Nagel. „Da sind noch viel mehr Interpretationen und Querverbindungen möglich. Dieses Material ist immens viel aussagekräftig“, betont sie und klopft auf den dicken Aktenordner, der eine Fülle von Zahlenkolonnen, Tabellen, Aussagen enthält. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Gemeinden die Zahlen wirklich angucken“, so Helga Schobloch. „Hier steckt vieles drin, was auch für die Zukunft der Kirche wegweisend sein kann.“ Auf den Nachwuchs zumindest scheint Bremerhaven in Zukunft bauen zu können: Acht Prozent der Kirchenvorstandsmitglieder im Kirchenkreis sind jünger als 36 Jahre, im Durchschnitt der Landeskirche liegt diese Zahl bei fünf Prozent.

Anke Brockmeyer

 

 

Live und als Roll-up: Manon Veit, Adriana Jainz, Annegret Thom und Nico Stündl

Live und als Roll-up: Manon Veit, Adriana Jainz, Annegret Thom und Nico Stündl

 

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