Jugendliche aus Bremerhaven bei Andachtspreis ausgezeichnet

Von links nach rechts: Mathis Burfien (Teil der Jury), Henrike Patzig, Pia Quaas, Thore Hülseberg, Anna Patzig, Inken Quaas, Jule Tannert und Sänger Phillipp Poisel

 

Zum zweiten Mal wurde im altehrwürdigen Kloster Loccum am Sonntag (10. März 2019) der Jugendandachtspreis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers verliehen. Das Thema, ein Bibelvers, war zuvor über eine Abstimmung bei Instagram ermittelt worden: „Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ (2. Korinther 3,17). Den mit 1.000 Euro dotierten ersten Platz belegte Philo Hirte (17) aus Hannover. Die Andachten von Inken Quaas (19)  und Anna Patzig (20) aus Bremerhaven wurden von der Jury mit Sonderpreisen für den Gegenwartsbezug und die Gebetssprache ausgezeichnet, die jeweils mit 100 Euro prämiert sind.

Rund 300 Gäste waren zu dem Festakt in das mehr als 850 Jahre alte Gotteshaus gekommen, bei dem vor allem die Worte wärmen mussten – die Heizung war an dem Tag ausgefallen. Der feierlich-fröhlichen Stimmung tat dies keinen Abbruch. Dafür sorgte auch der musikalische Stargast des Abends: Philipp Poisel („Wo fängt dein Himmel an?“) spielte exklusiv für die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre Angehörigen.

Für Wettbewerbsorganisator Pastor Mathis Burfien ist der Andachtspreis ein wichtiger Teil der theologischen Nachwuchsförderung. Die Gewinnerin von 2016, Julia Schönbeck, studiert inzwischen Theologie. Waren es seinerzeit bei der Premiere noch 26 eingereichte Arbeiten, so hat sich die Zahl nun fast vervierfacht: Insgesamt 94 Andachten hat die Jury gesichtet. „Ich möchte gerne jungen Menschen Mut machen und sie darin unterstützen, eine eigene Sprache für ihren Glauben zu entwickeln“, sagt Pastor Burfien.

Inken Quaas beschreibt, wie das Team an das Thema Freiheit herangegangen ist: „Bei uns in Bremerhaven ist die politische Entwicklung ein großes Thema und auch die Evangelische Jugend Bremerhaven will ein Zeichen für ein buntes Bremerhaven setzen. Deshalb war eigentlich schon klar, in welche Richtung das Thema der Andacht gehen sollte.“

Die Andacht des zweiten Teams um Anna Patzig besticht vor allem durch ihre Gebetssprache. „Wir haben uns zusammen überlegt, ob wir Lieder oder Geschichten zu dem Thema kennen. Dabei sind wir dann auf einen Poetry Slam von Julia Engelmann gekommen und haben uns entschlossen, zu diesem Text eine Andacht zu gestalten“, so Anna Patzig.

Laut Jury-Mitglied Jochen Arnold, Direktor des Hildesheimer Zentrums für Gottesdienst und Kirchenmusik, zeigt die hohe Beteiligung, „dass wir mit dem Freiheitsbegriff offenbar einen Nerv getroffen haben – auch all jener, die auf der Suche sind“. Zugleich scheine die kirchliche Jugendarbeit „frommer“ zu werden; aktuelle Jugendstudien sprächen von einer „Generation Worship“. Junge Leute wollten die befreiende Botschaft der Bibel erfahren und teilen. „Damit öffnen sie auch für uns als Kirche neue Horizonte. Was sie sagen, ist relevant und glaubwürdig“, betonte Arnold.

Doch sind Andachten überhaupt noch wichtig und zeitgemäß für Jugendliche? Inken Quaas: „Andachten sind ganz wichtig. Andachten bieten Zeit, in sich zu gehen und über das Thema nachzudenken. Andachten geben einem auch das Gefühl einer Gemeinschaft, wenn man zusammen singt und betet.“

Anna Patzig sieht das ähnlich: „Wenn sie das richtige Thema hat, kann eine Andacht Menschen jeden Alters ansprechen, somit auch Jugendliche. Meistens haben wir Andachten bei Seminaren am Ende eines Tages. Das ist immer ein schöner Tagesabschluss, um noch einmal in sich zu kehren und zur Ruhe zu kommen.“

„Mit jedem deiner Fehler lieb’ ich dich mehr“, sang Philipp Poisel in das kalte Kloster hinein. Die Kirche meinte er damit nicht. Im Gegenteil: Viele seiner Texte könnten auch gut in eine Andacht passen, wie nicht nur Veranstalter Mathis Burfien meinte. Auf dessen Frage, ob das Gebet in Philipp Poisels Leben eine Rolle spiele, sagte der Sänger: „Ja, auf jeden Fall.“


Lothar Veit/Landeskirche Hannovers

Aus den Begründungen der Jury für die Sonderpreise:
Anna Patzig und Team:
Der Jury hat eure Andacht "ein offenes Ohr finden", insbesondere der starke Slam, aber auch eure beeindruckenden Gebete und die Sprache, die ihr dafür gefunden habt, so gut gefallen, dass sie eure Andacht von nahezu einhundert eingereichten Beiträgen auf die Plätze ab 4. Bis 30 gewählt hat und die Andacht besonders würdigen möchte.

Inken Quaas und Team:
Der Jury hat Eure Andacht "Mut zur Freiheit", insbesondere Euer starker gesellschaftlicher Bezug und die klaren Worte zur aktuellen politischen Lage so gut gefallen, dass sie Eure Andacht von nahezu einhundert eingereichten Beiträgen auf die Plätze ab 4. bis 30. gewählt hat und Eure Andacht besonders würdigen möchte.

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