Im Einsatz für gute Gottesdienste

Andreas Schley (links) und Volker Nagel-Geißler sind zwei der 16 TeilnehmerInnen der Weiterbildung Gottesdienstberatung.

 

Gottesdienst ist nicht gleich Gottesdienst: Manche sind besonders kreativ, manche musikalisch anspruchsvoll oder emotional bewegend. Damit möglichst viele Gemeinden ihre Ideen umsetzen und besondere Gottesdienste feiern können, gibt es seit einigen Jahren GottesdienstberaterInnen. PastorInnen und professionelle KirchenmusikerInnen besuchen Kirchengemeinden und beraten Haupt- und Ehrenamtliche zur Gestaltung von Kirche und Gottesdienst. 16 dieser BeraterInnen haben gerade im Evangelischen Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Michaeliskloster in Hildesheim ihre Ausbildung abgeschlossen.

Unter den Absolventen ist auch ein Team aus dem Sprengel Stade. „Ich habe gelernt, was alles in einem Gottesdienst möglich ist", berichtet Andreas Schley, Popularkirchenmusiker aus Verden. Volker Nagel-Geißler, Kirchenmusiker aus Bremerhaven hat vor allem die Gleichberechtigung von Wort und Musik in dem Kurs beeindruckt. „Das erlebt man nicht überall."

Im Michaeliskloster in Hildesheim werden seit 2010 die ersten GottesdienstberaterInnen der Landeskirche Hannover ausgebildet. Den aktuellen Kurs haben Pastorin Christine Tergau-Harms und Landeskirchenmusikdirektor Hans-Joachim Rolf gemeinsam geleitet. Die Doppelleitung ergibt sich aus einem Novum: Die aktuelle Ausbildung zur GottesdienstberaterIn war die erste, die paritätisch von je acht KirchenmusikerInnen und PastorInnen belegt wurde. Bisher habe es solche Kurse nur für TheologInnen gegeben, sagt Hans-Joachim Rolf. Diese Erweiterung des Spektrums hin zur Musik ist neu und einzigartig in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
 
„Wir haben damit angefangen, weil es in den Gemeinden immer wieder nachgefragt wurde", berichtet Christine Tergau-Harms. Besonders neue Kirchenvorstände hätten immer wieder Fragen zu Gottesdiensten gehabt: Dürfen Kinder am Abendmahl teilnehmen? Welche Musik darf bei Beerdigungen gespielt werden? Dürfen Haustiere gesegnet werden? Auch bei der räumlichen Gestaltung von Kirchen gebe es oft Beratungsbedarf.

Von Hildesheim aus fuhren die ersten BeraterInnen zu den Gemeinden und entwickelten gemeinsam mit PastorInnen, MusikerInnen und Kirchenvorständen Konzepte für Gottesdienste. Wegen der großen Nachfrage begann schließlich die Ausbildung von weiteren BeraterInnen für die einzelnen Regionen der Landeskirche. Drei Weiterbildungskurse haben bereits stattgefunden.

Die 16 neuen GottesdienstberaterInnen gehören damit zu einem großen Team, das in allen Sprengeln der Landeskirche vertreten ist. Über eineinhalb Jahre haben sie sich dafür regelmäßig in Hildesheim getroffen und Themen wie „Gebet und Musik", „Taufe und Abendmahl" und „Sendung und Segen" bearbeitet. Zu dem Langzeitkurs gehörte außerdem das Trainieren von Beratungssituationen und der gegenseitige Besuch in den Gemeinden. „Das bietet eine gute Möglichkeit zur Reflexion", beschreibt Oliver Friedrich, Teilnehmer des Kurses und Pastor in Loccum. „Ich habe daraufhin viel mit Gottesdiensten experimentiert und andere Orte oder Uhrzeiten ausprobiert."

Um einen Platz in dem Kurs zu ergattern, mussten sich die TeilnehmerInnen mit einem Motivationsschreiben bewerben und ein Auswahlgespräch bestehen. „Wir machen ein ausführliches Casting und schauen, welche Personen wirklich für die Weiterbildung geeignet sind", erklärt Jochen Arnold, Direktor des Michaelisklosters. Die Gottesdienstberatung sei Teil einer Qualitätsoffensive der Evangelischen Kirche. „Wir möchten gute, schöne und relevante Gottesdienste feiern."

Nach ihrer Einführung als GottesdienstberaterInnen können die PastorInnen und MusikerInnen jeweils als Tandems Gemeinden besuchen. Diese gemischten Teams sollen auch noch eine weitere Botschaft vermitteln, berichtet Arnold. „Wir wollen weg von der Pastorenkirche und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gaben besser fördern." Darum sollten die BeraterInnen vor allem auch Ideen und Potenziale aus der Gemeinde aufgreifen. „Zuhören ist besonders wichtig."

Text u. Fotos: Julia Dittrich, Kultur und Kommunikation (Hildesheim)

Mit den 16 aktuellen Absolventen gibt es in der Hannoverschen Landeskirche nun insgesamt 35 GottesdienstberaterInnen.

 
 

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