Januar 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Die Jahreslosung für 2018 klingt nach Sommer, Sonne und Hitze. Durst, eine sprudelnde Quelle und erfrischendes Wasser - vielleicht kommen diese Assoziationen daher, dass ich diese Worte geschrieben habe, als die Tage am kürzesten waren, ganz am Ende von 2017, kurz nach Weihnachten. Wenig Sonne in Sicht. Erst mal keine Aussicht auf Wärme oder gar Hitze. Die Sehnsucht danach bleibt bestehen. Immerhin ist ohne Sonne und ohne Hitze aber erst einmal auch kein Schwitzen angesagt. Und auch der Durst wird so erst mal ausbleiben.

Schade eigentlich. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als ich das letzte Mal so richtig durstig war. Es ist schon ein paar Monate her. Das Gefühl, durstig zu sein, ist erst mal überhaupt nicht schön. Durst ist nicht lange auszuhalten. Aber es gibt auch eine schöne Seite am Durst: wenn es dann so weit ist, dass der Durst gestillt werden kann. Dieser Moment, in dem ich so dankbar dafür war, dass ich etwas trinken konnte - ich möchte diesen Moment nicht vergessen.

Durststrecken begegnen uns auch sonst im Jahr. Immer wieder. Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue: Das Reformationsjubiläum war hoffentlich das Ende einer langen Durststrecke. Es wurde in unserem Kirchenkreis, in unserer Landeskirche und in ganz Deutschland so groß gefeiert, dass deutlich wurde: Die Reformation muss weitergehen. Viele wünschen sich das. Unsere Kirche hat lange Durststrecken hinter sich. Und dass die Zahl der Kirchenaustritte zurückgeht, ist noch nicht das Signal, dass wir sie ganz hinter uns haben. Wir müssen uns strecken, damit mehr Bewegung in die Kirche kommt. Nur wenn wir mehr in Bewegung kommen, können wir was von dem Leben fühlen, von dem in der Jahreslosung für 2018 die Rede ist.

Obwohl: Wir fühlen schon was von dem Leben. Schon jetzt. Überall da, wo es brennt. Und überall da, wo wir Menschen uns bewegt fühlen.

Ein schöner Brauch zum Jahresende, zu Silvester, ist das Bleigießen. Es ist schon etwas länger her, dass ich mal an Silvester Bleigießen gemacht habe. Aber ich weiß noch, wie es war. Und es hat Spaß gemacht. Klar, es ist ein bisschen aufwändig und auch nicht ganz ungefährlich. Man braucht etwas Übung, damit das heiße Blei nicht hochspritzt. Aber das bekommt man hin, wenn man vorsichtig ist.

Und ich weiß auch noch: Vor meinem allerersten Bleigießen hatte ich mir das Ganze etwas anders vorgestellt. Ich hatte gedacht, nach dem Bleigießen wäre alles klar. Und ich wüsste ganz genau, was im neuen Jahr auf mich wartet. Und dann war die Enttäuschung groß: Denn irgendwie sahen die Bleistücke alle gleich aus. Und wenn ich mir ein Stück dann lange angeschaut hatte und endlich dachte: Jetzt weiß ich, was es ist - dann sahen die anderen was ganz anderes darin. Und so war ich mir am Ende nicht sicher: Ist das jetzt eine Leiter oder ist das doch eine Schlange?

Der Wunsch zu wissen, was das neue Jahr bringen wird, brennt in uns. Gelöscht werden kann er nicht so schnell. Wir müssen uns einlassen auf das, was unser Leben im neuen Jahr mit sich bringen wird. Aber eins ist ganz sicher: Alle, die im kommenden Jahr in der Kirche nach Leben suchen, die werden es finden. Da, wo wir uns in der Hoffnung auf neu geschenktes Leben versammeln, da werden wir ganz viel Leben finden. Amen.

Pastor Malte Plath

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