Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. 1. Kor. 15,10

Liebe Leserin, lieber Leser,
kennen Sie das Lied von Herbert Grönemeyer: „Keiner liebt mich so wie ich“? In sehr lustiger Weise erzählt er hier, wie gerne er mit sich ist, spazieren geht, lacht … Ich habe herzlich darüber gelacht, als ich es im Mai in Bremen von Herbert gehört habe. Obwohl es natürlich traurig ist, wenn jemand ernsthaft so über sein Leben denken würde. Der Monatsspruch für diesen Sommermonat Juni ist ein Blick von Paulus auf sein Leben. Er stellt fest: „Alles, was ich bin, bin ich, weil Gott mich liebt und er es mir geschenkt hat.“ Oder in seinen Worten: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. „Gnade“ ist so ein altes Wort. Vielleicht denken Sie bei dem Wort Gnade eher an einen im Staub winselnden Menschen und einen anderen der den Daumen nach oben reckt. Also Wörterbuch auf und nachgeschlagen: Gnade ist "die verzeihende Güte Gottes" oder auch seine unverdiente Milde. Unverdient – das steckt in dem Wort Gnade mit drin. Für den Apostel Paulus ist das, was er hier an die Korinther schreibt, eine tiefe Glaubensüberzeugung: Alles was ich bin, habe ich Gott zu verdanken.

Nachdem Paulus die frühe Gemeinde erst verfolgt hatte, hat Christus ihn berufen. Und so wurde er zum Apostel und erfüllten Prediger der christlichen Lehre. Und da hat er nun ganz schön viel Mühe und Arbeit auf sich genommen. Er wollte Gottes Wort dahin tragen, wo man es noch nicht gehört hatte. Und er wurde verfolgt, ins Gefängnis gesteckt, lief tausende Kilometer zu Fuß durch die heutige Türkei und Griechenland. Er fuhr auch mit dem Schiff, erlitt Sturm, Seenot und Schiffbruch. Und er hat viel erreicht: Er hat viele Gemeinden gegründet, hat viele Menschen getröstet und begleitet, hat Streit geschlichtet und seine Briefe geben den Menschen bis heute Kraft. Doch Paulus ist nicht stolz, sondern dankbar. Er weiß, dass Gott die ganze Zeit bei ihm war und ihm die Kraft zu all dem gegeben hat. Aus tiefer Glaubensüberzeugung sagt er: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.
 
Sicherlich gibt es vieles, worauf man stolz sein darf. Wenn man sein Abi zum Beispiel gerade geschafft hat. Das darf einen stolz und glücklich machen. Aber wenn das meine Lebensschau bleibt, dann bin ich auch schnell ins Wanken zu bringen. Wenn ich dann sehe, dass der andere eine bessere Abinote hat oder der Nachbar den dickeren Maybach oder die hübscheren Kinder oder dickeren Rinder … dann wird aus Stolz schnell Neid und vergiftet mein Leben. Auch in Dankbarkeit kann ich mich über mein Abi oder andere Erfolge freuen. Und wenn ich erkenne, dass da einer ist, nämlich Gott, der mich noch mehr liebt, als ich es bereits tue, der den Daumen nach oben streckt und mir viel Gutes schenkt in meinem Leben, dann kann ich mich in Dankbarkeit auch an dem Guten auch herzlich freuen. Und dann bekomme ich auch die Kraft, die Wegstrecken zu gehen, wo meine Kraft alleine nicht mehr ausreicht. Wenn mir dann zwei Punkte gefehlt haben zum Abitur, ich die Stelle nicht bekommen habe, meine Beziehung zerbrochen ist und meine ganze Lebensplanung durcheinander gerät. Dann kann ich mit dem Blick des Paulus auch erkennen, dass Gott immer noch da ist. Der Daumen immer noch nach oben zeigt. Und dann erkenne ich hoffentlich auch die vielen Chancen, die mir unverdient begegnen. Unsere Arbeit in den Kindergärten haben wir überschrieben mit: „Mit Gott groß werden!“ Den Kindern wollen wir das beibringen, wie gut es ist, das zu erkennen: Gott hat uns lieb (noch mehr als wir selbst) und schenkt uns viel Gutes in unserem Leben. Das kann dir die Kraft geben, das Richtige zu tun. Oder aber mit den Worten des Paulus: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!
 
Pastor Sebastian Ritter, Johanneskirche

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