Andacht April 2019

Halleluja-Kiste!

In einer Gemeinde in den USA habe ich erlebt, dass am Beginn der Passionszeit das Halleluja in eine Kiste gesteckt wurde. Kinder und erwachsene Gemeindeglieder hatten in der Zeit vor diesen Wochen Halleluja-Fahnen gemalt und hergestellt, zum Teil sehr künstlerisch gestaltet. Am Sonntag Invokavit, dem ersten Sonntag der Passionszeit, wurde dann eine schöne Kiste, die ein begabter Handwerker aus der Gemeinde gebaut hatte, in den Altarraum gestellt und die Halleluja-Banner sorgfältig hineingelegt. Dann durften zwei Kinder die Kiste mit einem Knall zuklappen – und das Halleluja war bis Ostern fort. Es wurde nicht gesungen oder gesprochen, bis es am Ostersonntag wieder aus der Kiste geholt wurde und dann so kraftvoll erklang, dass der Pastor dort immer meinte, das Kirchendach würde sich heben!

Sieben Wochen ohne Halleluja – mir fällt das gar nicht so leicht, darauf im Gottesdienst zu verzichten. Ich vermisse es, im feierlichen Gesang, in den frohen Tönen der alten und neuen Lieder. Es ist für mich ein Fasten, ein bewusster Verzicht, der mich persönlich nicht unberührt lässt. Es scheint nicht bedeutend für den Alltag. Aber für mich ist es etwas, was mich innehalten lässt, bei jedem Gottesdienst in diesen Wochen.

Viele Menschen verzichten in diesen Tagen – viele auf die genussvollen Dinge des Lebens, wie Süßes, Nikotin oder Fleisch. Die evangelische Kirche ruft seit 1983 zur Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ auf. Seit einigen Jahren haben diese Aktionen jeweils ein Motto, in diesem Jahr „Sieben Wochen ohne Lügen“. Mal ehrlich: Das ist gar nicht so einfach!

Auf ein Wort, einen Gesang in der Kirche zu verzichten scheint dagegen recht leicht. Aber für mich ist das Lob-Gottes-Singen im Gottesdienst nicht etwas, was automatisch eben so abläuft. Ich denke dabei nicht nur an Johann Sebastian Bach, der unter seine Werke schrieb „Soli Deo Gloria“, Gott allein die Ehre. Ich denke natürlich an das, was Jesus Christus für uns getan hat, ertragen hat, vollbracht hat. Und eben deshalb ist es mir wichtig, konsequent auf diesen Lobgesang zu verzichten, damit ich das nicht vergesse. Die Halleluja-Kiste war eine sichtbare (und hörbare) Erinnerung daran. Manchmal brauche ich das.

Und auch ich hoffe in jedem Jahr, dass dann am Ostersonntag das Dach sich hebt, wenn das Halleluja wieder erklingen darf und wir uns sagen: Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ihre Lilo Eurich, Pastorin der Dionysiuskirche Bremerhaven-Lehe

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