Andacht März 2017

Wie werden Sie ein toller Typ, erfolgreich, angesehen? Viele Menschen gehen dem Missverständnis auf dem Leim: Wenn die anderen kleiner sind, bin ich größer. Relativ gesehen stimmt das, absolut leider nicht. Trotzdem ein beliebter Trick: Wenn ich die Menschen um mich herum 'runtermache, sehe ich besser aus.

Sie kennen es sicher: "Frau Müller kann ja nicht einmal eine ordentliche Nudelsuppe kochen!" Schon denken alle, sie wäre keine gute Köchin. Gefragt hat niemand; die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie es nie beweisen werden müssen. Oder im Betrieb: Je schlechter ich über die Kollegen rede, desto bessere Arbeit leiste ich? "Also was der Meyer da wieder letzte Woche...". Kommt Ihnen bekannt vor? Es gibt es auch in ganz großem Stil. Der Politiker mit der großen blonden Haartolle scheint Amerika dadurch wieder „great“ machen zu wollen, indem er alle anderen kleiner macht. Bestimmt können Sie sofort jede Menge Beispiele aus Ihrem Alltag ergänzen.

Auch wenn so ein Trick erst einmal klappt: Auf die Dauer ist nichts gewonnen. Im Betrieb klappt die Arbeit nicht besser, wenn der schwarze Peter hin- und hergeschoben wird. Amerika wird auf diese Art und Weise keinesfalls „great“ werden - das werden wir in der nächsten Zeit ziemlich deutlich erleben. Allerdings gibt es jede Menge böses Blut, misstrauische Beziehungen, gestörte Zusammenarbeit und vergiftete Nachbarschaften. Kein schönes Leben. Es ist eine Falle. Was also tun?

Ganz einfach: Hören Sie auf, andere Menschen zu richten. Mit Worten versuchen wir Menschen zu richten, abzurichten, und manchmal versehentlich hinzurichten. Wenn Sie selbst groß sein wollen, müssen Sie sich strecken und aufrichten: Sie selbst müssen Ihre Fähigkeiten und Gaben entdecken, sie mit Lust ausbauen und pflegen. Der eine kann gut kochen - und soll es mit Lust tun! Der andere kann ein Gespräch beginnen und Kontakte pflegen - und soll genau das tun. Es gibt noch viel mehr Beispiele, aber die müssen Sie hier ergänzen. Wenn jeder und jede das tut, wird das Zusammenleben einfacher. Und es hat einen Nebeneffekt: Es entsteht wirkliche Größe.

Jesus hat es übrigens vorgelebt: "Ihr urteilt und verurteilt nach menschlichen Maßstäben; ich verurteile niemand." Johannes 8, 13. Kurz vorher lässt er die Ehebrecherin gehen - nachdem er all den Besserwissern und politisch Korrekten die Verlogenheit ihrer Moral deutlich gemacht hat. Der einzige, der Menschen richtet, ist Gott. Der darf und soll, und das ist gut so. Weil Gott richtet, müssen wir nicht mehr richten - meiner Meinung nach eine deutliche Entlastung.

Ihr Pastor Lars C. Langhorst
Marienkirchengemeinde

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